Verband
Bayerischer
Pflanzenzüchter e.V.
VBP


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Gründung und Neugründung (1912 - 1946)
Verbandsleitung
Entstehung einer starken Vertretung der Pflanzenzüchtung in Deutschland (1946 - 1962)
Eigenständige Vertretung der Bayerischen Pflanzenzüchter (ab 1962)
Der Antrieb der Pflanzenzüchter

Gründung und Neugründung (1912 - 1946)

Im Jahr 1912 schlossen sich die Saatzüchter in Bayern zum "Bayerischen Saatzuchtverein" zusammen. Der Anstoß zur Gründung des Vereins resultierte aus der Überlegung heraus, dass die bis dahin angebauten Landsorten nicht mehr den verbesserten Anbau- und Wachstumsbedingungen genügten und dass in Bayern – im Gegensatz zu Mittel- und Norddeutschland – eine Vielfalt von Boden- und Klimaverhältnissen vorhanden war.

Die Gründungsväter wollten über den Verein eine bessere regionale Abstimmung und gleichzeitig eine Unterstützung der Zuchtbetriebe im Hinblick auf eine Stärkung ihrer unternehmerischen Selbständigkeit erreichen. Zu den Gründervätern gehörten wohl – genau lässt sich das nicht mehr sagen, da in den Kriegswirren wichtige Unterlagen verloren gingen – Jakob Ackermann, Georg Heil, Wilhelm Lang, Georg Schweiger, Thomas Scharnagl. Jakob Ackermann war auch der 1. Vorsitzende nach der Gründung.

Die Gründung des Verbandes ist eng mit der bereits 10 Jahre vorher gegründeten "Königlich Bayerischen Landessaatzuchtanstalt" zu sehen. So hatte die Landessaatzuchtanstalt bei der Gründung des Bayerischen Saatzuchtvereins sicherlich einen großen Anteil, denn zum 3. Vorsitzenden und Schriftführer wurde Thomas Scharnagel, der Vertreter der Anstalt gewählt.

Die Königlich Bayerische Landessaatzuchtanstalt wurde auf Anregung von Prof. Dr. Kraus – damals Direkter der Königlichen Akademie für Landwirtschaft und Brauwesen in Weihenstephan – ein Zentralinstitut für die landwirtschaftliche Pflanzenzüchtung in Bayern zu schaffen im Jahr 1902 gegründet worden. Zuvor hatte Prof. Kurt v. Rümker, der als erster deutscher Hochschullehrer versucht hat, die Methoden und Erfahrungen der landwirtschaftlichen Pflanzenzüchtung zu systematisieren, anlässlich einer Wanderversammlung der DLG im Jahr 1898 den Begriff der "Landespflanzenzüchtung" geprägt. Er verstand darunter eine staatliche Hilfestellung, die notwendig war, um auch im süddeutschen Raum interessierte Landwirte mit den Methoden und Techniken der Auslesezüchtung vertraut zu machen. Die Errichtung der Landessaatzuchtanstalt war der Grundstein für den fachlichen Verband der praktischen Pflanzenzüchtung in der Hand der privaten Zuchtbetriebe, der angewandten Forschung durch die Landesanstalt und die Grundlagenforschung durch die Universität.

Zum Geschäftsführer des Vereins wurde der Gutsinspektor Weihermüller bestellt. Im Jahr 1914 wurde der Verein in das Vereinsregister mit Sitz in München eingetragen. Mit Beginn des Krieges wurde die Geschäftsstelle vom 1. Vorsitzenden, Ökonomierat Jakob Ackermann, nach Irlbach verlegt und die Geschäftsführung des Vereins vom 1. Vorsitzenden selbst übernommen. Während der militärischen Tätigkeit des 1. Vorsitzenden führte die Geschäfte des Vereins zeitweise auch die Königlich Bayerische Saatzuchtanstalt, vermutlich in Person von Kreissaatzuchtinspektor Thomas Scharnagel. In den 1920er Jahren bis zur Eingliederung des Vereins in den Reichsnährstand nahm die Geschäftsführung der Saatzuchtinspektor in Niederbayern Gottlieb Hüttinger wahr.

Die Anfänge der bayerischen Pflanzenzüchtung gehen aber noch weiter zurück, denn zur Zeit der Gründung der Bayerischen Landessaatzuchtanstalt gab es bereits 51 lokale Zuchtstätten in Bayern. Die Landwirte Heil in Unterfranken und Lang in Niederbayern hatten schon um 1890 mit Auslesen begonnen hatten, nachdem schon Jahrzehnte vorher im mittel- und norddeutschen Raum intensive Anstrengungen begonnen hatten, die Saatgutqualität landwirtschaftlicher Kulturpflanzen durch Auslese zu verbessern. Zu den ersten bayerischen Pflanzenzüchtern gehörten auch der Betrieb Endreß in Horlachen (seit 1893) und die Fichtelgebirgs-Saatbaugenossenschaften (seit 1900).

In der ersten Phase des Verbandes war es entscheidend, interessierte Praxisbetriebe zu finden, diese züchterisch zu schulen und geeignete Zuchtstellen auf privater Basis aufzubauen. In der Zeit zwischen 1900 und 1920 erfolgte auch die Gründung der meisten, auch heute noch bestehenden Zuchtbetriebe.

Nach dem 1. Weltkrieg verzeichnete der Verein einen großen Zugang an Mitgliedern. So steht in den Vereinsnachrichten in der Zeitschrift für Pflanzenzüchtung aus dem Jahr 1924 geschrieben, dass zum 1. Januar 1924 der Mitgliederbestand 187 ordentliche und 86 außerordentliche Mitglieder betrug. Dies rührte daher, dass viele Landwirte von den Saatzuchtinspektoren angehalten wurden, sich züchterisch zu betätigen, um für möglichst jedes Gebiet eigene Sorten zu züchten. Am stärksten war interessanterweise der Zugang aus dem Bereich der Kartoffelzüchtung. Zu dieser Zeit hatte es ein wahres Durcheinander in der Kartoffelzüchtung gegeben, zumal relativ unbekannt war, welche Bedeutung den Viruskrankheiten zukam. Im Zusammenhang mit der Herstellung von verbessertem Saat- und Pflanzgut hatte sich viel Unseriosität eingeschlichen. So genannte "Rucksackzüchter" - sie wurden so genannt, weil sie ihr Zuchtmaterial im Rucksack seriösen Zuchtbetrieben entwendet hatten - hatten sich damals der Pflanzenzüchtung zugewandt, in der Hoffnung, schnelles Geld zu verdienen. Die wirklich eigenständigen Zuchtbetriebe waren jedoch mehr und mehr gefordert, ihre unternehmerische Selbständigkeit zu festigen.

1924 leitete die Sommergerstensorte ISARIA von der Saatzucht Ackermann mit Einführung der Kreuzungszüchtung einen Wandel in der Pflanzenzüchtung ein. Die Sorte ISARIA hatte über 30 Jahre hinweg m deutschen Sommergerstenanbau eine führende Rolle gespielt. Bis zu dieser Zeit herrschte die Meinung vor, Saatgut allein durch fortgesetzte Auslese unter günstigen Anbau- und Wachstumsbedingungen verbessern zu können. Dass man hier ziemlich schnell an genetische Grenzen stoßen kann, davon war die praktische Pflanzenzüchtung nicht leicht zu überzeugen und es dauerte fast zwei Jahrzehnte bis sich aus der Mendelschen Vererbungslehre abgeleitet, der Grundsatz durchsetzte, dass in der genetischen Rekombinationszüchtung mehr Chancen liegen als in der fortgesetzten Auslesezüchtung. Mit dem Übergang zur Kreuzungszüchtung an der Landessaatzuchtanstalt und bei den Züchtern musste sich auch ein eigenständiges unternehmerisches Interesse bei den Züchtern entwickeln.

Mit dem Übergang zur Kreuzungszüchtung an der Landessaatzuchtanstalt und bei den Züchtern musste sich auch ein eigenständiges unternehmerisches Interesse bei den Züchtern entwickeln. Mit der Entwicklung der Kreuzungszüchtung hielten auch Qualitäts- und Resistenzzüchtungsarbeiten in Bayern Einzug. Darüber hinaus fiel in diese Zeit auch die Gründung von Außenstellen der Landessaatzuchtanstalt. Diese "Saatzuchtinspektionen" übernahmen die ständige Überwachung und Betreuung der lokalen Zuchtstellen und die neutrale Prüfung der Zuchtprodukte auf ihren Anbauwert in den verschiedenen Anbaugebieten hin. Thomas Scharnagel war einer der ersten Saatzuchtinspektoren. Damit liegt um 1912 auch der Beginn des bayerischen Landessortenversuchswesens.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 endete die erste Epoche des Bayerischen Saatzuchtvereins als selbständige Organisation. Am 11.12.1933 wurde nämlich vom Reichsbauernführer die Verfügung erlassen, dass der Verein gemäß § 7 der 1. Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes mit allen seinen Untergliederungen und Einrichtungen in den Reichsnährstand eingegliedert wird. Mit dieser Eingliederung verbunden war eine drastische Sortenbereinigung der damals vorhandenen Sorten durch den Reichsnährstand. So wurden von 183 Sommergerstensorten, die es Ende der 1920er Jahre gab, nur 10 für das ganze Reichsgebiet zugelassen und weitere 20 Sorten für einzelne Regionen bedingt zugelassen.

Am 6. Juli 1946 fand in Weihenstephan die erste Mitgliederversammlung und zugleich Gründungsversammlung des Bayerischen Saatzuchtvereins nach dem 2. Weltkrieg statt. Zu dieser Gründungsversammlung hatte Thomas Scharnagel eingeladen. Anwesend waren mehr als dreiviertel der zu diesem Zeitpunkt aktiven Pflanzenzüchter in Bayern. Erster Vorsitzender wurde Dr. Franz Wittmann aus Oberhaunstadt, sein Stellvertreter wurde Roman Eder vom Aspachhof. Sitz des wieder gegründeten Verbandes war Weihenstephan. Zum Schriftführer bzw. Geschäftsführer wurde der Saatzuchtinspektor Peter Thanner bestimmt.


Verbandsleitung

Vorstand

1. Vorsitzender:

Jakob Ackermann, Irlbach

1912 – 1933

Dr. Franz Wittmann, Oberhaunstadt

1946 – 1965

Nicolas Frhr. von Pfetten, Niederarnbach

1965 – 1983

Franz v. Zwehl, Oberarnbach

1983 – 1992

Otto Streng, Aspachhof

1992 – 2007

Dr. Stefan Streng, Aspachhof

2007 – 2017

Alexander Strube, Irlbach

ab 2017

2. Vorsitzender

Georg Heil, Tückelhausen

1912 – 1925

Georg Schweiger, Feldkirchen

1929 – 1933

Roman Eder, Aspachhof

1946 – 1949

Dr. Joachim Strube

1949 – 1963

Christian Endres, Horlachen

1964 – 1971

Hans Schweiger, Feldkirchen

1971 – 1976

Dr. Josef Berger, Rinkam

1976 – 2005

Stephan Berger, Rinkam

ab 2005

3. Vorsitzender

Thomas Scharnagel, Kreissaatzuchtinspektor

1912 – 1921

Wilhelm Lang, Niedertraubling

1921 – 1926

Roman Eder, Aspachhof

1926 – 1933

Seit 1946 gibt es nur noch einen Stellvertreter des Vorsitzenden.

Geschäftsführer:

Gutsinspektor Weihermüller

1912 – 1914

Jakob Ackermann, Irlbach und zeitweise
Thomas Scharnagel, Kreissaatzuchtinsektor

1914 – 1921

Gottlieb Hüttinger, Saatzuchtinspektor, Ndb.

1922 – 1933

Peter Thanner, Saatzuchtinspektor

1946 – 1947

Direktor Dr. Konrad Weller

1947 – 1949

Georg Grassl

1949 – 1962

Willi Frhr. von La Roche

1962 – 1965

Dr. Ernst Sinzinger

1965 – 1972

Dr. Siegfried Weiß

1972 – 2003

Dr. Christian Augsburger

ab 2003


Entstehung einer starken Vertretung der Pflanzenzüchtung in Deutschland (1946 - 1962)

Bald nach der Neugründung des Verbandes nach dem 2. Weltkrieg wandelten sich die Aufgabenschwerpunkte des Verbandes. Standen bisher vor allem technische und wissenschaftliche Fragen der Saatgutzüchtung im Vordergrund des Interesses, traten nach der Währungsreform in erster Linie wirtschaftliche Interessen im Mittelpunkt der Tätigkeit des Verbandes. Auch überregional musste sich der Bayerische Saatzuchtverein verstärkt in der damaligen Arbeitsgemeinschaft der Saatzuchtverbände – bestehend aus dem Bayerischen Saatbauverein, dem Verband der Pflanzenzucht Hannover und dem Südwestdeutschen Pflanzenzüchterverband – einbringen. Zahlreiche Themen wie die Einführung eines Saatgutgesetzes oder der Einheitswertzuschlag für Saatzuchten standen auf der politischen Agenda. So war es die mehr oder weniger logische Konsequenz, die bisher ehrenamtlich von Vertretern der Landessaatzuchtanstalt übernommene Geschäftsführung auf einen hauptamtlichen Geschäftsführer zu übertragen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Dr. Franz Wittmann, der zu dieser Zeit auch Vorsitzender des Landesverbandes der Feldsaatenerzeuger in Bayern e.V. und des Landesverbandes der Saatkartoffel-Erzeugervereinigungen in Bayern e.V. war, wurde die Geschäftsführung des Verbandes im Jahr 1949 auf Georg Grassl übertragen. Dieser war gleichzeitig auch Geschäftsführer der anderen beiden Verbände. Grassl war auch Geschäftsführer der beiden anderen Verbände. 1962 trat Grassl in den Ruhestand. Ihm folgte Willi Frhr. von La Roche als Geschäftsführer bis zum Jahr 1965 nach. Von La Roche war seit Ende des Krieges vornehmlich mit pro-duktionstechnischen Fragen des Feldsaatenbaus im Landesverband der Feldsaatenerzeuger betraut. Im Jahr 1950 wurde dann auch der Geschäftssitz in das gemeinsame Büro in der Leopoldstraße verlegt und der Bayerische Saatzuchtverein in den "Verband Bayerischer Pflanzenzüchter e.V." umbenannt. Dr. Wittmann ist damit die Schaffung eines gemeinsamen Verwaltungsbüros der Bayerischen Pflanzenzucht- und Saatbauverbände in München in der Leopoldstraße als "Bayerisches Saatbauzentrum" zu verdanken. Zu Beginn des Jahres 1973 wurde dann auch der Landesverband Bayerischer Saatguterzeuger-Vereinigungen e.V. in die Bürogemeinschaft integriert. Zudem wurde gemeinsam mit den anderen Verbänden in diesem Jahr das Büro in der Elisabethstraße erworben und Geschäftsstelle der Bayerischen Pflanzenzucht- und Saatbauverbände von der Leopoldstraße in die Elisabethstraße verlegt, wo die Verbände und damit der Verband Bayerischer Pflanzenzüchter bis zum Jahr 2012 ihren Geschäftssitz hatten.

Zu den wichtige Themen, mit denen sich der Verband in den Nachkriegsjahren beschäftige, war zunächst der Aufbau und Neuorganisation der Sortenzulassung und Wertprüfung sowie die Anerkennung von Saat- und Pflanzgut sowie die Verabschiedung des ersten Saatgutgesetzes im Jahr 1953. Mit diesem Gesetz wurden erstmals alle Fragen der Züchtung und des Vertriebs von Saatgut aller Kulturarten, einschließlich gartenbaulicher Arten und Sonderkulturarten, in einem Gesetz zusammengefasst. Bei der Umsetzung dieses ersten Saatgutgesetzes, das es in dieser Form bisher so noch nicht gab, waren drei Grundsätze verankert: 1. Dem Züchter soll seine subjektiv schöpferische Leistung geschützt werden; 2. Der Staat verlangt Mindestleistungen der Sorten, von denen Saatgut in den Verkehr gebracht wird; 3. Dem Verbraucher soll die Zusicherung gegeben werden, dass er die Eigenschaften, die der Züchter geschaffen hat, in dem in dem gelieferten Saatgut erhält.

Die mit den Römischen Verträgen 1957 beschlossene Gründung der EWG hatte eine zunehmende Verlagerung von politischen Entscheidungen im Agrarbereich auf den EWG-Raum zur Folge. Dies machte eine starke Interessenvertretung für die Belange der deutschen und bayerischen Pflanzenzüchter auch auf internationaler Ebene immer wichtiger. So trat am 1.7.1962 der Verband Bayerischer Pflanzenzüchter dem Rechtsnachfolger des Verbandes der Pflanzenzucht Hannover, dem "Verband deutscher Pflanzenzüchter" VDP als korporatives Mitglied bei. Im Jahr 1962 trat der Verband dem Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e.V. als kooperatives Mitglied bei, nachdem er bis zu diesem Zeitpunkt in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Pflanzenzüchterverbände mitgewirkt hat. Mit dem korporativen Beitritt wurden die bayerischen Züchterbetriebe auch Mitglied im BDP. Der BDP übernahm fortan die Wahrung der Interessen des bayerischen Verbandes und seiner Mitglieder. Daneben trat auch der Verband südwestdeutscher Pflanzenzüchter dem BDP als korporatives Mitglied bei. Damit wurde der organisatorische Zusammenschluss aller deutschen Pflanzenzüchter im Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter in Bonn vollzogen.

Eigenständige Vertretung der Bayerischen Pflanzenzüchter (ab 1962)

Mit dem korporativen Beitritt zum Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter änderte sich der Aufgabenschwerpunkt des bayerischen Verbandes erneut. Wenngleich die direkte Beteiligung des Verbandes an gesamtdeutschen Entwicklungen und Neuerungen im EWG-Raum nicht mehr im Mittelpunkt des Aufgabenspektrums des Verbandes stand, so verstand der bayerische Verband es trotzdem, die Interessen seiner mittelständischen und bäuerlichen Mitgliedsbetriebe auf Bundesebene und im EWG-Raum zu wahren. Sehr intensiv wurden nach wie vor die Interessen der Züchtermitglieder gegenüber der Landespolitik und den Landesbehörden vertreten. Der Schwerpunkt des Wirkens des Verbandes Bayerischer Pflanzenzüchter wurde jedoch fortan auf die Weiterentwicklung der technischen Zusammenarbeit mit der Bayerischen Landessaatzuchtanstalt gelegt.

Als am 11. Mai 1965 Dr. Franz Wittmann nach 18 Jahren den Vorsitz abgab, wurde Nicolas Frhr. von Pfetten sein Nachfolger. Zum Ende des Jahres schied auch Frhr. von La Roche als Geschäftsführer aus. Sein Nachfolger als Geschäftsführer wurde Dr. Ernst Sinzinger. Nachdem Dr. Sinzinger 1972 Geschäftsführer des Ende 1971 neu gegründeten "Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung e.V." LKP wurde, trat Dr. Siegfried Weiß am 1.10.1972 die Nachfolge von Dr. Sinzinger als Geschäftsführer der Verbände an. Diese Jahre waren durch eine Reihe von Veränderungen der saatgutrechtlichen Regelungen geprägt, an deren Entstehungsprozess sich der Verband Bayerischer Pflanzenzüchter zusammen mit den anderen Verbänden, dem Landesverband der Feldsaatenerzeuger in Bayern und dem Landesverband der Saatkartoffel-Erzeugervereinigungen in Bayern und ab 1973 auch dem Landesverband Bayerischer Saatgetreideerzeuger-Vereinigungen über die verschiedenen Gremien aktiv beteiligt hatte. So wurden mit dem überarbeiteten Saatgutverkehrsgesetz von 1968 die EWG-Saatgutrichtlinien von 1966 in nationales Recht umgesetzt. Es erfolgte eine grundsätzliche Trennung von Fragen des Saatgutverkehrs (Saatgutverkehrsgesetz) und des Sortenschutzes (Sortenschutzgesetz), welche im Saatgutgesetz noch in einem Regelwerk vereint waren. Neu eingeführt wurde dabei die amtliche Kennzeichnung und Verschließung von Saatgut.

Mit der Gründung der Bayerischen Pflanzenzuchtgesellschaft BPZ, einem Zusammenschluss der zu diesem Zeitpunkt noch aktiven Züchtungsbetriebe in Bayern, im Jahr 1972 hat der Verband den Grundstein zu einer systematischen Arbeitsteilung zwischen privaten Züchtern und der Landesanstalt, die sich stärker auf Züchtungsforschung und die Entwicklung Basismaterial konzentrieren konnte, gelegt. Diese Gründung ist die logische Weiterentwicklung des so genannten "Bayerischen Weges in der Pflanzenzüchtung", der bereits im Jahr 1902, also 70 Jahre zuvor mit der Gründung der Königlich Bayerischen Landessaatzuchtanstalt begonnen wurde. Wesentliche Aufgabe der BPZ ist, die Förderung des Erwerbs von Zuchtmaterial und der züchterischen Weiterbearbeitung bis zur Sortenschutzverteilung, die Entwicklung und Anwendung neuer Zuchtverfahren sowie die Produktion und der Vertrieb von Saat- und Pflanzgut im In- und Ausland.

Diese Ziele gelten im Wesentlichen auch heute, gut 40 Jahre nach der Gründung der BPZ noch, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Sie stellte mit der damit verbundenen Rahmenvereinbarung mit dem Freistaat Bayern die bisherige, langjährige sehr erfolgreiche Zusammenarbeit auf eine neue rechtliche Grundlage. In enger Zusammenarbeit mit der Hochschulforschung, vor allem in Weihenstephan sowie den Bundesforschungseinrichtungen gelang die Anpassung der bayerischen Pflanzenzüchtung an den Biotechnischen Fortschritt. Heute ermöglichen die klassische Biotechnologie sowie neue Methoden aus den Bereichen Genomanalyse, Proteinforschung und Genexpression unter dem Schlagwort "Smart Breeding" das Erreichen von zukunftsweisenden Zuchtzielen auf dem Weg der klassischen Sortenzüchtung.

Heute bedeutet der Bayerische Weg in der Pflanzenzüchtung die gemeinsame Anstrengung von Züchtern und Landesanstalt zur Bewahrung, Pflege und Erweiterung des bayerischen Genpools bei ausgewählten, wichtigen Nutzpflanzen. Dies dient der Sicherung der genetischen Vielfalt bei modernen Ackerkulturen, die nur im aktiven Zuchtbetrieb möglich ist. Aktive Pflanzenzüchtung an verschiedenen regionalen Stellen ist dabei der wichtigste Garant für genetische Vielfalt und damit Entwicklungsfähigkeit von Kulturpflanzen. Genetische Vielfalt findet sich heute in den verschiedenen Zuchtgärten der Züchter und nicht mehr wie zu Beginn der Pflanzenzüchtung zu Anfang des 20. Jh. auf den verschiedenen Äckern der Landwirte, da heute auf den Äckern weitgehend genetisch einheitliche Pflanzen stehen. Eine moderne Züchtungsforschung in Bayern im Verbund mit einer vielfältigen privaten Züchterlandschaft sichert unter dem Strich auch die Zukunftsfähigkeit der bayerischen Landwirtschaft durch die laufende Entwicklung neuer standortangepasster Sorten, den Erhalt eines Wettbewerbs um die beste Genetik für unsere Region und damit angepasste Sorten für Bayern. Dies gilt es auch in Zukunft zu erhalten.

Am 15.9.1983 verstarb Frhr. von Pfetten unerwartet im Alter von 56 Jahren. Zu seinem Nachfolger wurde noch im gleichen Jahr, am 12.12.1983, Franz von Zwehl gewählt. Franz von Zwehl war Vorsitzender bis zum Jahr 1992. Am 26.3.1992 wurde Otto Streng zum Nachfolger von Franz von Zwehl als 1. Vorsitzender des Verbandes bestimmt. Die Kosten der Wiedervereinigung sowie ein rückläufiges Wirtschaftswachstum nach der Wiedervereinigung zu Beginn der 1990er Jahre waren nicht ohne Auswirkungen auf die Staatshaushalte geblieben. So musste sich der Verband zu Beginn der Amtszeit von Otto Streng mit einer ersten Welle deutlicher Personaleinsparungen auseinandersetzen, die der Landtag sowie das Kabinett beschlossen hatten. Diese Personaleinsparungen betrafen in besonderem Maße das Landwirtschaftsressort und dort wiederum die Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau. Zusätzlich erforderten die mit der EU-Agrarreform eingeführten Ausgleichszahlungen weiteres Personal an den Ämtern für Landwirtschaft für die Abwicklung der Beihilfengewährung sowie entsprechende Kontrollmaßnahmen. Diese Personalstellen waren wiederum bei der Landesanstalt einzusparen.

Im Oktober 1999 setzte sich der Verband zusammen mit weiteren 26 Verbänden des Pflanzenbaus und 18 Tierzuchtverbänden in einer gemeinsamen Resolution erfolg-reich für den Erhalt der Landesanstalten und deren Zugehörigkeit zum Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber ein.

Im Jahr 2007 übergab Otto Streng die Verantwortung für den Verband in die Hände seines Sohnes Dr. Stefan Streng, dem nunmehr 6. Vorsitzenden des Verbandes seit seiner Gründung im Jahr 1912. Wichtige Themen in der jüngeren Geschichte des Verbandes sind der Einsatz für den weitgehenden Erhalt der Saatgutgesetzgebung in den Bereichen amtlichen Sortenzulassung und Saatgutanerkennung, welche derzeit auf EU-Ebene umfassend überarbeitet werden, sowie die Weiterentwicklung und -intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der LfL.

Um den Anschluss am Wissens- und Technologietransfer in die bayerischen Züchtungsunternehmen zu gewährleisten und um durch neue Züchtungsansätze Effizienzsteigerungen in den Züchtungsunternehmen zu erzielen, haben die bayerischen Pflanzenzüchter innerhalb der BPZ im Jahr 2012 eine gemeinsame Personalstelle für das Projektmanagement geschaffen. Als vorrangiger institutioneller Kooperationspartner gilt die Züchtungsforschung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft LfL. Dadurch soll unter anderem auch die Zusammenarbeit der BPZ-Züchter und der Züchtungsforschung an der LfL weiter ausgebaut werden.

Im Jahr 1952 zählte der Verband noch 52 Zuchtstellen und damit in etwa genau so viele wie in seinen Gründerjahren. Im Jahr 2009 sind von den 20 Mitgliedern des Verbandes noch 14 aktive Züchtungsbetriebe. Gemessen an den Vermehrungsflächen hatte die bayerische Pflanzenzüchtung im Jahr 2008 in Deutschland bei den Getreidearten einen Marktanteil von 17 %, bei Gräsern von 15 %, bei Klee und Luzerne von 52 %, bei den Hülsenfrüchten von 37 % und bei Kartoffeln von 8 %.

Nachdem die gemeinsame Geschäftsstelle der Bayerischen Pflanzenzucht- und Saatbauverbände 62 Jahre in München ihren Sitz hatte, erfolgte im Januar 2012 dann der Umzug der Geschäftsstelle in die neu erworbenen Büroräume nach Frei-sing-Lerchenfeld. Damit schließt sich im 100. Jahr seit der Gründung des Verbandes wieder der Kreis. Vor 100 Jahren wurde am 1.1.1912 der Bayerische Saatzuchtverein in Freising-Weihenstephan gegründet. Dorthin ist er nun wieder zurückgekehrt.

Der Antrieb der Pflanzenzüchter

Dr. Franz Wittmann zitierte anlässlich seiner Verabschiedung bei der Mitgliederversammlung am 25. Mai 1965 folgenden Satz des römischen Dichters Vergil, der "heute noch der Agens einer jeglichen Pflanzenzucht" (Dr. Franz Wittmann, 1965) sei:

"Saatgut sah ich, erlesenster Art, mit Mühe geprüftes,
dennoch entarten, sofern nicht menschliche Arbeit
alljährlich immer das Beste auslas mit der Hand.
So stürzt durch das Schicksal
alles in steten Verfall und treibt absinkend nach rückwärts
wie ein Ruderer, der stromauf mit Mühe den Nachen
vorwärts zwingt: lässt flüchtig nur einmal die Arme er sinken
reißen ihn jäh die Fluten zurück in sausender Strömung."

Vergil (70-19 v. Chr.),
Georgica I, 198-203